Heft 17 / Mai 2026 Imker-Journal
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Völker · 12 min

Volksführung im Mai 2026 — die Vorbereitung auf die Linden-Tracht

Mai-Brutfläche von 6 bis 12 Waben, Honig-Raum-Aufsatz mit den ersten Cumulus-Tagen und Schwarmverhinderung mit Brutdistanzierung. Eine Stand-Bilanz aus dem aktuellen Heft 17 mit sieben Wirtschafts-Völkern an einem Lindenrand-Standort.

Der Mai ist für das deutsche Bienenvolk die kritischste Aufbau-Phase des Jahres. Was im April noch in Knospe stand, explodiert in dieser Mai-Woche an unserem Stand am Lindenrand zu einer biologischen Maschine, deren Pflege jeder Imker neu erlernen darf — Jahr für Jahr, weil jeder Mai ein anderer ist. Das aktuelle Heft 17 dokumentiert sieben Wirtschafts-Völker durch die Mai-Phase 2026 hindurch, mit Wochenkontrollen und durchschnittlich 8,3 besetzten Wabengassen zum Stichtag 15. Mai.

Die biologische Realität im Mai

Ein gut entwickeltes Wirtschaftsvolk steht Anfang Mai mit einer Brutfläche von etwa 6 bis 8 vollständig bestifteten Waben da. Das entspricht — bei einem Zander-Maß von 42 mal 22 Zentimeter und etwa 7.500 Zellen pro Wabenseite — einer offenen und verdeckelten Brut von 45.000 bis 60.000 Zellen. Bei einer durchschnittlichen Brutdauer der Arbeiterin von 21 Tagen schlüpfen aus diesem Volk täglich etwa 2.150 bis 2.850 Jungbienen. Bis Ende Mai zieht die Königin diese Brutfläche auf 9 bis 12 Waben hoch. Das ist die rechnerische Voraussetzung dafür, dass das Volk in der zweiten Juni-Woche, wenn die Winter-Linde (Tilia cordata) in voller Blüte steht, mit der maximalen Sammlerinnen-Stärke von etwa 50.000 flugfähigen Bienen am Flugloch ankommt.

Die Pflege-Bienen, die in dieser Phase die Larven füttern, sind 6 bis 12 Tage alt. Erst nach dem 18. Lebenstag wechseln sie ihre Drüsen-Funktion vom Futtersaft auf Wachs und werden zur Bau-Biene. Diese demographische Schichtung ist im Mai am Stand sichtbar: Wer die Mittelwand mit dem Daumen anwärmt und vor das Flugloch hält, bekommt sie in 24 Stunden ausgebaut, weil die Bau-Bienen vorhanden sind. Wer dieselbe Mittelwand im März hineingibt, wartet drei Wochen.

Honig-Raum-Aufsatz und die Cumulus-Tage

Der Zeitpunkt für den Honig-Raum-Aufsatz ist im aktuellen Mai-Heft 2026 unsere drittlängste Debatte. Die alte Imker-Regel lautet: aufsetzen bei den ersten Cumulus-Tagen — also dann, wenn die Mittagshitze beginnt, Quellwolken zu bilden und Drohnen-Anflug am Stand sichtbar wird. In der Praxis bedeutet das eine Tageshöchsttemperatur von dauerhaft über 16 °C, eine vollständig besetzte Brutkammer mit allen Wabengassen und das erste Anlegen von Drohnen-Brut am unteren Wabenrand.

An unserem Stand fiel dieser Punkt 2026 auf den 28. April — eine knappe Woche früher als im langjährigen Mittel der letzten 15 Mai-Phasen. Wir haben mit Mittelwand-Rähmchen statt mit ausgebauten Honig-Waben aufgesetzt, weil der Bau-Trieb der Bienen die Schwarmstimmung dämpft und gleichzeitig frischen, rückstandsarmen Wabenbau für den Linden-Honig schafft. Die zwei zuerst aufgesetzten Mittelwände waren am 6. Mai vollständig ausgebaut und mit dem ersten Raps-Frühjahrshonig angefüllt.

Die vier Magazin-Beuten-Maße nebeneinander

In Deutschland sind vier Beuten-Maße als Standard etabliert, und jedes davon hat im Mai eine andere Logik:

  • Deutsch-Normal-Maß (DN) mit 36,5 × 22,3 × 4 cm hat etwa 6.700 Zellen pro Wabenseite. Es ist das historische Maß des Imkerverbandes Berlepsch-Tradition, etwas brutkammer-knapp für die heutigen Carnica-Linien, weshalb zweiräumige Brutführung üblich ist.
  • Zander-Maß mit 42 × 22 × 4 cm hat etwa 7.500 Zellen pro Wabenseite und ist das verbreitetste Maß in Süddeutschland. In einräumiger Brutführung — das, was wir am Lindenrand-Stand praktizieren — reicht der Brutraum für Königinnen mittlerer Legeleistung gerade aus, weshalb ab Mai oft mit Zwischenboden-Erweiterung gearbeitet wird.
  • Dadant-Blatt-Maß mit 43,5 × 28,5 cm bietet die größte einzelne Brutwabe und entspricht der ursprünglichen Konzeption von Charles Dadant aus dem späten 19. Jahrhundert. Ein einziges Brutraum-Stockwerk genügt — das macht die Mai-Kontrolle ergonomisch schneller, ist aber für die Carnica-Tracht-Linien fast zu großzügig.
  • Langstroth-Maß mit 44,8 × 23,2 × 4 cm geht auf Lorenzo Langstroth zurück, der 1851/52 in Philadelphia den passgenauen Bee-Space von 8 Millimeter publizierte und damit die moderne Magazin-Beute praktisch erfand. Es ist das international gebräuchlichste Maß und im deutschen Berufs-Imkertum verbreitet.

An unserem Stand stehen sieben Zander-Beuten und zwei Dadant-Blatt-Referenzvölker — das ist im Heft 17 unsere stehende Beobachtungs-Anordnung.

Schwarmverhinderung — die Brutdistanzierung im Mai

Wenn die Brutkammer zwischen dem 5. und dem 20. Mai über die kritische Schwelle von 9 vollständig bestifteten Waben hinausgeht und das Volk gleichzeitig Drohnen-Brut und Spielnäpfchen anlegt, ist die Schwarmstimmung biologisch programmiert. Die klassische Gegenmaßnahme der August-von-Berlepsch-Schule — Königinnen-Zelle ausbrechen — funktioniert nicht zuverlässig, weil die Bienen in 8 bis 10 Tagen nachziehen.

Die Methode, die sich am Lindenrand-Stand seit drei Jahren bewährt hat, ist die Brutdistanzierung mit Zwischenboden: Zwei verdeckelte Brutwaben werden aus der Brutkammer in den Honig-Raum oberhalb eines Absperrgitters umgehängt, während zwei Mittelwände den freigewordenen Platz einnehmen. Die Königin verliert keinen Legeraum, die Pflege-Bienen werden durch den Bau-Trieb der Mittelwände beschäftigt, und der demographische Druck der schlüpfenden Brut wird auf den Honig-Raum verlagert. In der diesjährigen Mai-Bilanz hatten 5 der 7 distanzierten Völker keine Schwarm-Reaktion mehr; 2 Völker zogen eine Nachschaffungs-Zelle, die wir am Tag 7 entfernten — das genügte.

Eine zweite, ältere Methode ist das Anbrütlings-Verfahren: Eine offene Brutwabe und eine verdeckelte Brutwabe mit ansitzenden Bienen werden zusammen mit einer Futter- und einer Pollen-Wabe in einen separaten Ableger-Kasten umgehängt. Dieses Verfahren — die Trennung der Brut-Schichten in einen eigenen kleinen Volkskörper hinein — produziert nebenbei eine Anbrütestation für die parallele Königinnen-Zucht im Mai.

Die Mai-2026-Bilanz am Lindenrand-Stand

Zum Stichtag 15. Mai 2026 standen sieben Wirtschafts-Völker mit durchschnittlich 8,3 besetzten Wabengassen am Stand. Die einzelnen Volkstärken: Volk 1 (9 Gassen), Volk 2 (8), Volk 3 (10), Volk 4 (7), Volk 5 (8), Volk 6 (9), Volk 7 (7) — gemessen morgens vor dem ersten Sammelflug bei einer Außentemperatur von 14 °C. Drei Völker tragen die DIB-Jahresfarbe weiß (Königinnen 2025), vier davon die grüne Markierung 2024.

Der erste Honig-Raum trägt im Mittel schon 4,8 ausgebaute Waben mit Raps-Frühjahrshonig (Wassergehalt nach Atago PAL-22S Refraktometer bei 18,2 %, also einen Tick über DIB-Norm — wir warten mit der Schleuderung). Die Linden-Tracht-Erwartung am Standort liegt erfahrungsgemäß zwischen 18 und 24 Kilogramm pro Volk. Die Mai-Vorbereitung läuft.


Ressort: Völker